Projekt Öffentlicher Raum

Die Schwarzensteinhütte: Ein hochalpines Refugium

Auf über 3.000 Metern Höhe ist das Klima rau, der Himmel nah und das Gipfelpanorama atemberaubend. Inmitten dieses wilden Terrains in den Südtiroler Alpen, ganz nah der österreichischen Grenze auf italienischer Seite, bildet ein Gebäude einen Zufluchtsort, den Wanderer und Bergsteiger aufsuchen, um Rast zu machen und um den Ausblick zu geniessen. Dieses unregelmässig sechseckige Objekt ist so faszinierend wie widersprüchlich. Auf den ersten Blick wirkt es mit seiner anfangs kupferglänzenden Fassade wie ein Fremdkörper in der Gegend. Und doch fügt es sich auch harmonisch in die Landschaft. Den Architekten Bachmann + Stifter ist mit der Schwarzensteinhütte ein ganz besonderes Meisterstück gelungen.

Die Provinz Bozen-Südtirol entschloss sich bereits 2011 die Schutzhütte in den Zillertaler Alpen zu erneuern. Das bisherige Objekt war aufgrund auftauender Permafrostböden statisch nicht mehr sicher. Gewünscht war ein Neubau rund 100 Meter weiter oben mit klassischer Aufteilung in Eingangsbereich mit Windfang, Aufenthaltsraum und Küche, Wasch- und Schlafräumen für 50 Gäste.

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Eine der Hauptherausforderungen beim Errichten dieser Hütte auf über 3.000 Metern Höhe war nicht nur die Witterung, sondern vor allem die Logistik. Beides waren entscheidende Einflussfaktoren für die Materialauswahl. Die felsberührenden Bereiche sind in Beton gefertigt. Alles andere besteht aus Holz, weil ein Holzbau binnen weniger Tage aufgestellt war und die schlanken Wand- und Deckenelemente – beplankt mit SWISS KRONO OSB – leichter zu transportieren waren. Eine temporäre Seilbahn für das Baumaterial wurde errichtet, um flexibler und wetterunabhängiger transportieren zu können. Das war die kostengünstigere Alternative zum Hubschrauber, der nur für Arbeiter und Handwerker zum Einsatz kam. Bei allem musste darauf geachtet werden, dass das Material auch bei Nässe und Minusgraden verarbeitbar und montierbar ist.

Die unregelmässige, fast willkürlich erscheinende Silhouette, die sich sowohl nach oben als auch nach unten vom Erdgeschoss ausgehend verjüngt, ist von den umgebenden Felsformationen inspiriert, die von den Naturgewalten geformt wurden. Von jeder Richtung aus gesehen hat das Gebäude eine andere Form und bleibt somit immer in Bewegung. Dazu trägt auch die Fassade aus Kupferblech bei, die je nach Lichteinfall unterschiedlich glänzte und reflektierte. Mittlerweile ist die Fassade bereits nachgedunkelt und setzt Patina an.

Das Gebäude gewinnt Strom aus einer Photovoltaikanlage. Ein Blockheizkraftwerk kann bedarfsabhängig in Betrieb gesetzt werden. Elektrische Energie wird in einer Batteriebank gespeichert. Ein Grossteil der Hütte ist unbeheizt, aber so gut gedämmt, dass es ausreicht. 2018 wurde die Hütte mit dem Sonderpreis des Klimahaus-Awards der Autonomen Provinz Bozen ausgezeichnet. Trinkwasser wird 450 Meter entfernt als Gletscher- bzw. Schmelzwasser gefasst und aufbereitet.

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